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Dr. Sandra Seeliger

Wissenschaftliche Mitarbeiterin Praxisforum Fakultät 2

Promotionsprojekt: Schulabsenstimus und Schuldropout

Im Juni 2015 wurde die Dissertation mit dem Titel: Schuldropouts verhindern - Fallanalysen gelingender Schullaufbahnen risikobehafteter Schülerinnen und Schüler in NRW angenommen.

Schulerfolg hängt maßgeblich von einer aktiven und regelmäßigen Teilnahme am Unterricht ab. Der Schulbesuch ist im bundesdeutschen Bildungssystem gesetzlich vorgeschrieben und damit verpflichtend. Verstöße gegen die Schulpflicht können pädagogisch-disziplinär und auch juristisch geahndet werden. Damit es gar nicht erst so weit kommt, ist es aus pädagogischer Sicht sinnvoll, Ursachen und Wirkungszusammenhänge für schulabsentes Verhalten zu kennen und in diesem Zusammenhang sinnvolle Präventions- und Interventionsstrategien anwenden zu können.

SCHACH

SCHACH: Scheitern als Chance; Eigenforschung zur Lehrerhaltung

Eine Analyse zu subjektiven Theorien von Lehrer/innen über die Möglichkeiten und Grenzen von Klassenwiederholungen zur individuellen Lernmotivationssteigerung und Leistungsverbesserung

Klassenwiederholungen sind in Deutschland, ebenso wie in einigen europäischen Nachbarländern, eine immer noch weit verbreitete Maßnahme. Damit soll sie zum einen Leistungshomogenität in der Schulklasse herstellen, zum anderen aber auch eine Chance für die wiederholenden Schüler/innen darstellen. Über eine Klassenwiederholung sollen Lücken im Lernstoff geschlossen, Erfolgserlebnisse ermöglicht und so die Lernmotivation und damit insgesamt eine Leistungsverbesserung des Repetenden / der Repetendin auch über das Wiederholungsjahr hinaus erreicht werden.

Empirische Befunde können jedoch nur geringe Erfolgsquoten nachweisen und Klassenwiederholungen sind hoch umstritten. Insofern stellt sich die Frage, welche Einflussgrößen, neben den offensichtlichen (wie Schulleistungen, Alter oder Entwicklungsstand) das Entscheidungsverhalten der Lehrer/innen für oder gegen eine Repetition wirken.

Im Projekt SCHACH werden Lehrer/innen zu ihren subjektiven Theorien zur Klassenwiederholung sowie ihren eigenen Wiederholungserfahrungen befragt. Wirkt in der Lehrerbiografie das Sitzenbleiben als relevante Erfahrungsgröße im Entscheidungsfall?

Weitere Forschungsinteressen

Resilienzforschung

Ein Großteil der Jugendlichen in Deutschland wächst wohlbehütet ohne materielle oder soziale Sorgen auf. So zumindest der erste Eindruck. Dabei gibt es aber auch Risikolagen (zum Beispiel Armut, das Aufwachsen in Einrichtungen der stationären Jugendhilfe, Trennung der Eltern etc.), die keineswegs nur die Entwicklung von ökonomisch benachteiligten Jugendlichen gefährden.

Die Erkenntnisse der Resilienzforschung liefern Belege für den protektiven Einfluss von Schule und Lehrer/innen. Erfolgserlebnisse in der Schule, eine positive Beziehung zu den Lehrpersonen sowie ein positives Schulklima können eine gesunde soziale und emotionale Entwicklung der Schüler/innen fördern.

Bildungsungleichheit

Nicht erst seit den PISA-Erhebungen ist bekannt, dass in Deutschland Bildungserfolg maßgeblich an die soziale Herkunft gekoppelt ist. Dabei ist eine einfache Berücksichtigung des sozio-ökonomischen Status zu wenig differenziert.

Bildungsbeteiligung von Sinti und Roma

Die Bildungsbeteiligung von Sinti und Roma lässt sich nur schwer statistisch aufzeigen und ist in der öffentlichen Wahrnehmung von zahlreichen Vorurteilen geprägt.

Bildungsbeteiligung und Migrationshintergrund

Eigene Migrationserfahrungen und das Aufwachsen in einer Familie mit Migrationshintergrund kann einerseits als stigmatisierend erlebt werden, anderseits aber auch als Bildungspotential erlebt werden. Wie dieser Weg gelingen kann, zeigen immer mehr erfolgreiche Studierende mit Migrationshintergrund u.a. auch an der BUW. In diesem Zusammenhang sind schon einige Abschlussarbeiten zu diesem Thema begleitet worden.

Bildungsbeteiligung bei Jugendhilfeerfahrung

Die Trennung von der Herkunftsfamilie und die Unterbringung in einer stationären Einrichtung der Jugendhilfe oder einer Pflegefamilie stellen einen schwerwiegenden Einschnitt in die Biografie von Kindern und Jugendlichen dar. Schule kann vor diesem Hintergrund zu einer zusätzlichen Belastung oder einer absoluten Nebensächlichkeit werden, deren Sinnhaftigkeit von drängenderen akuten Problemen überdeckt wird. Schule kann aber auch Teil des sozialen Netzes werden, das diesen Kinder und Jugendlichen Halt gibt und die Weichen für eine gelingende Zukunft stellt.

Professionelles pädagogische Handeln

Schule ist mehr als ein Ort der Wissensvermittlung und des Leistungswettbewerbs. Gerade im Zuge internationaler Leistungsvergleiche ist die Gefahr gegeben, dass die pädagogische Beziehung wegen einer bloßen Output-Orientierung zu kurz kommt. Ein Trend dem im wissenschaftlichen Diskurs in jüngster Zeit vermehrt entgegen getreten wird.