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2011: Härnösand Foto: Seeliger, privat

Zur Partnerschaft

Die Partnerschaft zwischen BUW und MIUN wurde 2010 begründet. Damals hatte sich ein Großteil des schwedischen Kollegiums, das mit Lehrerbildung im weiteren Sinne befasste auf den Weg nach Wuppertal gemacht und in einem dreitägigen Workshop wurden Gemeinsamkeiten ausgemacht und Zusammenarbeit vereinbart.

Seither gab es zwei Treffen, jeweils in Härnosand, einer Kleinstadt ca. 50 km von Sundsvall entfernt, wo seinerzeit die Lehrerbildung angesiedelt war. Dieser Standort wurde 2015 aufgegeben. Ein weiterer Besuch einer kleinen Wuppertaler Delegation fand im November 2018 in Sundsvall statt, der jüngste Gegenbesuch erfolgte im Juni 2019 im Rahmen eines produktiven Forschungsworkshops zur Findung eines gemeinsamen Forschungsthemas.

What about teacher shortage? WATS up?

Building a network between Germany, Sweden and Denmark for comparative research studies on teacher shortage

Im Februar 2020 trifft sich eine Delegation der MidSweden University und der Bergischen Universität Wuppertal in Kopenhagen. Die Arbeitsgruppe bestehend aus Prof. Dr. Lena Boström, Dr. Ulrika Gidlund, Dr.  Marcia Håkansson Lindqvist, Prof. Dr. Maria Anna Kreienbaum und Dr. Sandra Seeliger beschließt einen Förderantrag zur Gründung eines Netzwerks zur Erforschung des Phänomens Lehrermangel zu stellen. In Kopenhagen konnte der dänische Kollege assoc. Prof. Frans Ørsted Andersen, Aarhus University für die Projektidee gewonnen und der Grundstein für ein gemeinsames Forschungsprojekt gelegt werden.

Der Antrag wurde unter dem Titel What about teacher shortage? WATS up? im April 2020 unter Mitwirkung aller Beteiligten gestellt. 

 

 

Teaching in Sweden and Germany – Akademischer Austausch mit MidSweden

von links nach rechts: Maria Anna Kreienbaum, Sabrina Wüllner, Ronja Hahmann, Sandra Seeliger, Marcia Hakanson Lindquist, Lena Boström, Ulrika Gidlund, Göran Bosted

Am 5. und 6. Juni besuchten vier Wissenschaftler*innen der schwedischen Partneruniversität in Sundsvall Wuppertal und berieten zusammen mit KollegInnen der Erziehungswissenschaft und der Lehrerbildung über mögliche gemeinsame Forschungsprojekte.

Vier Themen standen dabei im Fokus: Zuerst die Organisation und Struktur der Lehrerausbildung im Allgemeinen sowie die Funktionen und Wirkungen der Praxisphasen. Ein Äquivalent zum deutschen Referendariat gibt es in Schweden nicht. Dort ist die Ausbildung einphasig und enthält mehrere Praktika, die den Studierenden die Erwartungen und Anforderungen der Praxis nahebringen sollen. In Schweden sind Lehrer*innen seit längerem keine Beamten mehr. Das ist einer der Gründe, warum der Lehrermangel dort eklatant hoch ist. Das relativ niedrige Ansehen des Berufsstands und die erhöhte Anstrengung durch heterogene Schulklassen, so Lena Boström, führe zu einem Wechsel des Berufsfelds – und die Schulen wissen kaum noch, wie sie den Lehrerbedarf decken können. 

Inklusion bzw. der gemeinsame Unterricht aller Kinder – das ist in Schweden seit langem selbstverständlich. Die Herausforderungen, die Kinder und Jugendliche mit sozial-emotionalem Förderbedarf darstellen, ließen Lehrerinnen und Lehrer in Schweden manchmal verzweifeln, so berichtet Inklusionsexpertin Ulrika Gidlund. Ihr Wuppertaler Kollege Christian Huber stellte seine Untersuchung zum Feedback-Verhalten von Lehrenden (1) vor: Er hat beobachtet, dass kritisches oder negatives Feedback auf Lernleistung oder Sozialverhalten zur Des-Integration der Schüler*innen führe und sich ihre Leistungen konstant verschlechterten. Bei den Rückmeldungen Positives zu betonen sei eine Strategie, die eher zur Integration führe und langfristig sowohl die Leistungsfähigkeit als auch das Sozialverhalten verbessere. Hierzu wie auch zum dritten Themenkomplex „teachersʾ attitudes“ lassen sich gemeinsame Forschungsprojekte denken. Sabrina Wüllner stellte erste Ergebnisse ihres laufenden Promotionsprojekts vor. Sie repliziert eine Studie aus den 1980er Jahren und befragt Oberstufenlehrer*innen. „Wer gehört zu Ihrer Lerngruppe und wo sehen Sie Ihre Schüler*innen in etwa zehn Jahren?“, hatte Michelle Stanworth gefragt. Vor 40 Jahren kannten die Lehrpersonen eigentlich nur die Jungen und schilderten deren Eigenschaften, Interessen und ihr Lernverhalten. „Und der Rest sind Mädchen“, Aussagen wie diese hatte Stanworth gesammelt und als Befund ihrer Studie veröffentlicht. Auch bei den Zukunftsperspektiven zeigte sich damals ein deutliches Bild: Jungen, auch wenn sie keine besonderen Schulleistungen zeigten, wurde eine berufliche Karriere vorhergesagt. Mädchen würden wohl eine Familie gründen und vielleicht Krankenschwester oder Sekretärin werden. Wüllners Ergebnisse ergeben ein deutlich differenzierteres Bild, so pauschal wie „früher“ sind die Stereotype heute nicht mehr – und das ist ermutigend. Göran Bostedt schlug verschiedene Forschungsfragen rund um das Thema Lern- und Studienmotivation vor: Was motiviert Schüler/innen in Schule zu lernen, was angehende Lehrer/innen im Studium, was müssen angehende Schulleiter/innen wissen und wie werden sie für diese Aufgabe motiviert und ausgebildet? Im Zuge dieser Motivationsfragen ergab sich insbesondere mit Blick auf die Lehrerausbildung die Frage nach externen Lernanreizen, wie etwa den Rahmenbedingungen des Lehrerberufs und das Ansehen in der Gesellschaft. Daraus resultierte der Wunsch, das Thema „Teachers‘ status and conditions“ in den Mittelpunkt eines gemeinsamen Projekts zu stellen. 

Die Möglichkeiten elektronischer Unterstützung in der Lehre war das vierte Thema. Frank von Danwitz vom ZIM und Marcia HakansonLindqvist aus Schweden stellten Ansätze für digitalisierte Lehre vor – diese technischen Errungenschaften sollen auch genutzt werden, um die weitere Zusammenarbeit medial möglich zu machen.

Folgende Verabredungen wurden getroffen: Zunächst arbeiten alle Beteiligten individuell daran, das Thema für sich auszuformulieren. Im Frühjahr 2020 soll dann – in einer gemeinsamen Klausurwoche – ein Forschungsantrag geschrieben werden.

(1) Huber, Christian; Gerullis, Anita; Schwab, Susanne; Gebhardt, Markus (2018): The impact of social referencing on social acceptance of children with disabilities and migration background. An experimental study in primary school settings. In: European Journal of Special Needs Education  2018, Vol. 33 (2), S. 269-285

Sundsvall November 2018

Campus Sundsvall 2018, Foto Seeliger privat
Campus der Mid Sweden University in Sundsvall, 2018

Am 6.11.2018 reisten Frau Dr. Sandra Seeliger und Frau Prof. Dr. Maria Anna Kreienbaum nach Schweden. In Västergotland (ca. 500 km nördlich von Stockholm) ist die MidSweden University (MIUN) situiert, ein zweiter Campus befindet sich in Östersund.

Die Partnerschaft zwischen BUW und MIUN wurde 2010 begründet. Damals hat sich ein Großteil des Kollegiums, das mit Lehrerbildung im weiteren Sinne befasst ist, nach Wuppertal auf den Weg gemacht und in einem dreitägigen Workshop Gemeinsamkeiten ausgemacht und Zusammenarbeit vereinbart.

Seither gab es zwei Treffen, jeweils in Härnosand, einer Kleinstadt ca. 50 km von Sundsvall entfernt, wo seinerzeit die Lehrerbildung angesiedelt war. Dieser Standort wurde 2015 aufgegeben.

Seit 2012 entsendet die BUW jeweils 4-6 Studierende pro Studienjahr nach Schweden. Die Studierenden nutzen vorwiegend im Bachelorstudiengang die Möglichkeit ein Auslandssemester in Schweden zu verbringen, um Schwedisch zu lernen, sich mit dem Bildungssystem vertraut zu machen, um Praktika in Schulen oder anderen pädagogischen Einrichtungen zu absolvieren und um eigene Forschungen durchzuführen. An der MIUN ist man darauf vorbereitet und hält Unterkunftsmöglichkeiten vor und viele Lehrveranstaltungen finden auf Englisch statt. 

Die Tatsache, dass bislang noch kein*e schwedische*r Student*in den Weg nach Wuppertal gefunden hat, war ein Anlass für die Reise zur Partneruni. Mögliche Hindernisse liegen in den sehr eng festgelegten strukturellen Rahmenbedinungen des Studiums (vergleichbar unserem Lehrerausbildungsgesetz) den Finanzierungsbedingungen für die Studierenden und der Tatsache, dass viele Studierende der MIUN selbst schon "Fern-Studierende" sind und Familie und Studium miteinander in Einklang bringen müssen - da stellen zusätzliche längere Auslandsaufenthalte eine Herausforderung dar.

An der Lehrveranstaltung, die Frau Kreienbaum anbot und die über Wuppertal und über das deutsche Schul- und Bildungswesen informiert hat, nahmen mehr als 20 Studierende teil. Sie bekundeten durchaus ein hohes Interesse an gegenseitigem Austausch und haben sich an der Diskussion zu den aktuellen Herausforderungen im Schulwesen intensiv beteiligt.

Das Forschungsthema zu Schul-Dropout und Absentismus, zu dem Frau Seeliger referiert hat, stieß bei den anwesenden Wissenschaftler*innen ebenfalls auf hohes Interesse. Das Ziel, über geeignete Maßnahmen Dropout zu verhindern, ist ein geteiltes. Hier liegen die Phänomene und die Präventions- und Interventionsmaßnahmen auf vergleichbarem Level. 

Die fachlichen Diskussionen mündeten in den Wunsch ein, gemeinsame Forschungsprojekte anzustoßen und auch über EU-geförderte Projekte die Zusammenarbeit langfristig zu vertiefen. Erste Überlegungen für ein gemeinsames EU-Projekt wurden in einem Brainstorming gesammelt. Die Themen können dabei z.B. historische Bildungsfragen ausleuchten oder Geschlecht fokussieren, es kann sich auf digitale Forschung beziehen oder das, was in Schweden „leadership“ genannt wird und Klassenführung und Motivierung meint. So wurde für Juni 2019 ein Treffen vereinbart, um gemeinsam Eckpunkte für ein EU- oder anders gefördertes Projekt abzustecken.

Erfahrungsberichte

Den Erfahrungsbericht unserer Studentin Julia V. aus dem Wintersemester 2017/18 finden Sie hier.

Den Erfahrungsbericht unserer Wissenschaftlichen Mitarbeiterin zu Erasmus+ finden Sie hier.